Stellungnahme des DLSV BW zum Thema Übungsleiter im Ganztagesbetrieb

Bundesweit zeigt sich ein vermehrtes Interesse des Freien Sports, Trainer und Übungsleiter in den Schulsport an Ganztagesschulen einzubinden.
Die Intention ist schnell ausgemacht: Die Verbände und Vereine befürchten durch die längere Unterrichtszeit an Nachmittagen ein nachlassendes Interesse der Schülerinnen und Schüler am Vereinssport, dadurch einen Rückgang der Mitgliederzahlen und vor allem eine rückläufige Möglichkeit zur Talentsichtung.
Details über die tatsächliche Entwicklung lassen sich der sogenannten MedikuS-Studie 2013 entnehmen, die bei einer Konferenz des DOSB und der DSJ in Karlsruhe vorgestellt wurde (http://www.zeit.de/sport/2013-10/sport-ganztagsschule-schulsport-vereine).
Tenor: Alles halb so wild, interessierte Jugendliche finden weiterhin den Weg in die Vereine.
Der DSLV begrüßt ausdrücklich die Bemühungen des Freien Sports sich im außerunterrichtlichen Schulsport zu engagieren, da durch die oben genannten Experten sicherlich eine neue Qualität an die Schulen herangetragen wird. Dies darf aber unter keinen Umständen zu Lasten des Sportunterrichts geschehen. Allerdings verwahrt sich der DSLV vehement gegen Entwicklungen, wie sie u.a. in Berlin, Stuttgart und Rottenburg anzutreffen sind.
In der Landeshauptstadt lobt Bürgermeisterin Susanne Eisenmann das „Stuttgarter Modell“ (Stuttgarter Zeitung vom 23.11.2013), bei dem die Vereine in den Sportunterricht eingebunden werden und deren Übungsleiter neben ihrer „normalen“ Vergütung mit zusätzlich 15 € pro geleistete Stunde seitens der Stadt(!) bezuschusst werden.
Es sind nicht die Abrechungsmodalitäten, die den DSLV auf die Palme bringen, sondern die Tatsache, dass hier Sportpädagogen (sic) oder Gymnastiklehrer zum Einsatz kommen, die aktiv in den Unterricht eingreifen und damit die staatlichen Sportlehrkräften aus ihrem originären Aufgabenfeld drängen – aus der Sicht eines Interessensverbands absolut unverträglich.
Die Bundeshauptstadt fährt ein Modell, nach dem unter dem Motto „Der Trainer kommt jetzt in den Unterricht“ Lizenztrainerinnen und -trainer von sechs großen Profivereinen vor allem in der Lernanfangsphase der Grundschulen als „Unterstützungskraft der Lehrkraft“ in den Sportunterricht eingreifen um „einen qualitativ hochwertigen Sportunterricht“ zu sichern (Sportunterricht Heft 6, Juni 2013. S. 185).
Damit kommt nicht nur die Geringschätzung gegenüber den Lehrkräften im Grundschulbereich zum Ausdruck, nein, die Senatsverwaltung gibt auch die Kontrolle über den Sportunterricht aus der Hand.
Als „Krönung“ dieser Aktion stellte der Berliner Senat für die Haushaltsjahre 2012/2013 darüber hinaus 450.000 € zur Verfügung.
Ist das Vertrauen in die senatseigene Sportlehrerausbildung so gering??? Ja, da hätte man diese Summe doch lieber in die Schulen selbst gesteckt. Übrigens blieb ein entsprechendes Protestschreiben seitens des DSLV-Landesverbands Berlin vom März 2013 bisher unbeantwortet.
Auswüchsen und Missbräuchen, wie sie von einer Rottenburger Grundschule bekannt wurden, erteilt der DSLV eine totale Abfuhr. Hier wurden die Kinder im Rahmen einer Volleyball-Schnupperstunde gebeten auf einem Abschneidezettel neben ihrer eigenen Körpergröße auch die Größe von Vater und Mutter sowie großer Blutsverwandter anzugeben. Ich meine, dass eine derart angehauchte Talentsichtung in den Schulen nichts, aber auch gar nichts zu suchen hat!
Der DSLV stellt klar: Gegen den Einsatz von Übungsleitern im außerunterrichtlichen Schulsport gibt es keinerlei Einwände, sofern dieser Personenkreis die Rahmenbedingungen und das pädagogische Konzept der jeweiligen Schulen akzeptiert.
Begrüßenswert ist beispielsweise das Pilotprojekt des LSV „FSJ Sport und Schule“, bei dem ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass die Freiwilligen die Kooperationsgrundschulen im außerunterrichtlichen Schulsport unterstützen.
Und noch einmal: Dies alles darf nicht zu Lasten des Sportunterrichts erfolgen.
Schließlich haben „in besseren Zeiten“ die Lehrkräfte selbst diese Aufgaben im Rahmen ihres Deputats übernommen.
Dem Einsatz von Übungsleitern im Sportunterricht widerspricht der DSLV aufs Heftigste. Wir verlassen uns diesbezüglich auf das Wort der Vertreter des Freien Sports im Ländle, die in diesem Kontext immer wieder auf die Trennung von Schulsport und Sportunterricht hingewiesen haben.
Heinz Frommel

Author: dslvniedersachsen_root

Share This Post On

Submit a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *